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Lebensunfähig?

Wieso gibt es so viele Menschen, die nicht auf dieser Welt klarkommen, wieso tragen sie eine solche Last mit sich herum?
Das ist für mich das Schlimmste, die Vorstellung, wie mein Sohn in seinem Zimmer saß und litt und sich elend und einsam fühlte und nichts sagen konnte. Das tut mir am meisten weh. Der Weg, bis er sein Leben beendet hat, bis er keinen Ausweg mehr sah, ist wirklich furchtbar. Ich glaube nicht, dass das eine freie und vor allem eine einfache Entscheidung war..
Ich setze mich sehr oft an seinen PC und lese seine Texte, Songtexte, Gedichte...Er hat sehr viele Abschiedsbriefe geschrieben auf seinem Computer über die Jahre hinweg. Er muss also schon mehrmals an dieser Schwelle gestanden haben und das bringt mich jedesmal zum Weinen, wenn ich das lese.
Langsam denke ich, ich kann nicht mehr, die Kraft verlässt mich, das durchzustehen und es gibt so wenig Menschen, die mit mir reden wollen. Sie wollen mich wahrscheinlich nur schonen, aber ich möchte reden über meinen Sohn und über seinen Tod und über diese Lücke, die er hinterließ...
Immer wieder taucht eben in mir auch die Frage auf, ob ich schuld bin, ob ich verantwortlich dafür bin, dass es ihm so schlecht ging. Ich war lange Zeit alleinerziehend und er bekam nicht immer die Aufmerksamkeit von mir, die er gebraucht hätte, als er klein war. Manchmal war ich so sehr mit meiner eigenen Gefühls- und Gedankenwelt beschäftigt, dass daneben kaum Platz für jemand anderen war. Es gab verschiedene Partner in meinem Leben und ich bin auch mehrmals umgezogen und riss ihn damit aus seinem gewohnten Umfeld. Was aber wahrscheinlich das schlimmste war, war eine langjährige Beziehung zu einem Mann, der an meinem Sohn keinerlei Interesse hatte, der nichts mit ihm anfangen konnte und wollte und es dauerte leider lange, bis ich mich aus dieser Beziehung befreite. Ich weiss, dass das falsch war, mein Kind hätte mir wichtiger sein müssen, aber das nützt jetzt alles nichts mehr. Ich hatte wirklich gedacht, er hat es trotzdem geschafft und hat den Platz im Leben gefunden, den er sich gewünscht hat. Jetzt hoffe ich, dass er weiss, wie leid mir das tut und ich ihm niemals etwas böses wollte. 

6.10.13 18:55
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


neon black (7.10.13 15:53)
Ich weiß nicht, ob man wirklich immer einen konkreten Grund für psychische Probleme finden kann. Ich selbst leide seit einigen Jahren an Depressionen und habe mir die Frage schon oft gestellt, wo denn bei mir der Fehler liegt und womit ich das eigentlich verdient habe. Im Laufe der Jahre musste ich aber feststellen, dass es eine einfache und alles umfassende Erklärung, warum ausgerechnet ich betroffen bin, leider nicht gibt und dass ich nicht einfach mit dem Finger auf irgendjemanden oder etwas zeigen kann, der oder das Schuld ist.
Vielleicht ist es deswegen manchmal auch so schwer, dieses Leiden hinzunehmen, weil es einem so sehr grund- und sinnlos erscheint.

Ich wünsche dir, dass du einen guten Weg findest, mit deinen Gedanken umzugehen und hoffe, dir mit meinem Kommentar nicht irgendwie zu nahe getreten zu sein. Falls doch, darfst du ihn gerne löschen.

Liebe Grüße,
neon black


(7.10.13 20:06)
Du bist mir nicht zu nahe getreten, denn ich selbst habe hier angefangen, über dieses Thema zu schreiben, dann kann ich auch mit Kommentaren umgehen. Ich weiß schon, dass es nicht immer eine Ursache gibt, die sich so einfach erklären lässt, mein Hirn weiss es, aber manchmal kommen die Gedanken einfach, die Selbstvorwürfe, die Zweifel.

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